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Stand: 20.10.2026
Die Europäische Kommission hat am 3. Juni 2026 den Cloud and AI Development Act, kurz CADA, vorgeschlagen. Hinter dem Namen steht ein Vorhaben zum Ausbau europäischer Rechenzentren und zur Stärkung eigener Cloud- und KI-Angebote. Der Kommissionsvorschlag trägt die Nummer COM(2026) 502. Dieser Beitrag erläutert den Vorschlag und seine Ziele; geplante Maßnahmen werden nicht als bereits geltende Pflichten dargestellt.
Warum Europa mehr eigene Kapazitäten braucht
Cloud bedeutet, Speicher und Rechenleistung über das Internet zu nutzen. Auch viele KI-Anwendungen arbeiten auf solchen entfernten Rechnern. Unternehmen und Behörden sind deshalb darauf angewiesen, dass diese Dienste verfügbar bleiben und ausreichend Leistung liefern.
Die Kommission sieht Hindernisse beim Ausbau: Genehmigungen dauern lange, geeignete Flächen und Energie sind begrenzt, und große Investitionen müssen finanziert werden. Zugleich möchte sie riskante Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb der EU verringern. Digitale Souveränität bedeutet hier, wichtige technische Entscheidungen selbst treffen und Daten sowie den Betrieb wesentlicher Dienste kontrollieren zu können.
Was CADA erreichen soll
Der Vorschlag verbindet Forschung und Entwicklung mit dem Ausbau der Infrastruktur und einem gemeinsamen Bewertungsrahmen für digitale Eigenständigkeit. Europäische Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollen bessere Bedingungen erhalten, neue Cloud- und KI-Technologien zu entwickeln und einzusetzen.
Nach den Erläuterungen der Kommission soll sich die Rechenzentrumskapazität der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren mindestens verdreifachen. Bis 2035 sollen die Bedürfnisse europäischer Unternehmen und öffentlicher Verwaltungen vollständig gedeckt werden können. Das sind politische Zielsetzungen, keine bereits erreichten Ergebnisse. Schnellere Genehmigungen und bessere Bedingungen für geeignete Standorte sollen den Ausbau erleichtern. Energieeffiziente Kühlung und die Einbindung der Rechenzentren in das Energiesystem gehören ebenfalls zum Ansatz.
Mehr Orientierung bei der Auswahl von Anbietern
CADA sieht einen gemeinsamen europäischen Rahmen vor, um die Souveränität von Cloud- und KI-Diensten zu bewerten. Vier Stufen sollen öffentlichen Stellen helfen, Angebote passend zum Risiko ihrer jeweiligen Anwendung einzuordnen. Dabei geht es beispielsweise um den Standort der Datenverarbeitung, die Unabhängigkeit von Drittstaaten und die Kontrolle über den Anbieter. Ein Rechenzentrum in Europa beantwortet somit nur einen Teil der Fragen.
Ein gemeinsamer Beschaffungsrahmen soll außerdem die Einkaufskraft öffentlicher Verwaltungen besser bündeln. Die Kommission betont, dass der überwiegende Teil des Marktes für internationale Partner offen bleiben soll.
Ein Beispiel aus der Verwaltung
Angenommen, eine Kommune möchte einen KI-Assistenten einsetzen, der Beschäftigten beim Auffinden interner Informationen hilft. Bei der Auswahl wären neben Preis und Leistung auch Fragen wichtig: Wo werden die Daten verarbeitet? Wer kontrolliert den Dienst? Welche Abhängigkeiten entstehen?
Der geplante Bewertungsrahmen könnte solche Entscheidungen vergleichbarer machen. Das Beispiel beschreibt eine mögliche Anwendung des Vorschlags. Es ist kein Nachweis dafür, dass eine konkrete Kommune bereits nach CADA arbeitet.
Chancen und offene Fragen
Aus wirtschaftlicher Sicht könnte der Ausbau europäischen Anbietern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen könnten mehr Auswahl bei leistungsfähigen Diensten erhalten. Ob diese Vorteile entstehen, hängt jedoch auch von bezahlbarer Energie, Investitionen und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Angebote ab.
Es gibt zudem Kritik am geplanten Ansatz. Reuters berichtete am 8. Juni 2026, dass Wirtschaftsverbände aus Australien, Kanada und Japan sowie der Branchenverband CCIA vor einer Benachteiligung außereuropäischer Anbieter warnten. Sie befürchteten weniger Auswahl und höhere Kosten. Diese Aussagen geben die Position der Verbände wieder; sie belegen keine bereits eingetretenen Folgen.
Die politische Herausforderung besteht daher darin, verlässliche europäische Kapazitäten aufzubauen und zugleich Wettbewerb und internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Teil eines größeren europäischen Pakets
CADA gehört zum Paket für technologische Souveränität vom 3. Juni 2026. Dazu zählen auch der Vorschlag für einen Chips Act 2.0, eine Open-Source-Strategie und ein Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor.
Open Source bezeichnet Software, deren Quelltext zugänglich ist und unter den jeweiligen Lizenzbedingungen genutzt, geprüft und verändert werden kann. Die begleitende Strategie soll solche Alternativen stärken und ihre langfristige Pflege unterstützen. Offenheit allein garantiert allerdings weder Sicherheit noch einen zuverlässigen Betrieb.
Fazit
CADA richtet den Blick auf die technischen Voraussetzungen der KI-Nutzung: Rechenleistung, verlässliche Dienste und die Kontrolle über wichtige Infrastruktur. Für Unternehmen und Behörden lohnt es sich, bei Cloud- und KI-Angeboten neben Funktionen und Kosten auch Abhängigkeiten und Wechselmöglichkeiten zu prüfen. Ob der Vorschlag seine Ziele erreicht, wird sich an seiner weiteren Ausgestaltung und der praktischen Umsetzung zeigen.
Quellen
1. Proposal for the Cloud and AI Development Act (CADA). Europäische Kommission, 03.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/proposal-cloud-and-ai-development-act-cada
2. Cloud and AI Development Act. Europäische Kommission, Aktualisierung 03.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/cloud-and-ai-development-act
3. Cloud computing. Europäische Kommission, Aktualisierung 18.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/cloud-computing
4. Strengthening Europe’s tech sovereignty. Europäische Kommission, Generaldirektion Kommunikation, 03.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://commission.europa.eu/news-and-media/news/strengthening-europes-tech-sovereignty-2026-06-03_en
5. The EU Open Source Strategy. Europäische Kommission, Aktualisierung 03.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/open-source-strategy
6. Australia, Canada, Japan trade bodies fret over being left out in made-in-Europe drive. Foo Yun Chee, Reuters, 08.06.2026. Abruf: 20.10.2026.
https://www.reuters.com/world/asia-pacific/australia-canada-japan-trade-bodies-fret-over-being-left-out-made-in-europe-2026-06-08/